Bei jeder großen Glasfassade steht früh die Frage im Raum: Wird sie als Pfosten-Riegel-Fassade Stab für Stab auf der Baustelle montiert, als Elementfassade aus vorgefertigten Einheiten eingehängt oder als Structural-Glazing-Fassade mit geklebtem Glas ausgeführt? Die Entscheidung beeinflusst Kosten, Bauzeit, Logistik und Detailplanung. Dieser Beitrag zeigt die Unterschiede und die Kriterien, nach denen Fassadenbauer, Architekten und Generalunternehmer das passende System auswählen.
Pfosten-Riegel-Fassade: flexibel und bewährt
Bei der Pfosten-Riegel-Fassade werden zuerst die vertikalen Pfosten am Rohbau befestigt, dann die horizontalen Riegel eingesetzt. Die Glasscheiben und Paneele werden von außen eingesetzt und mit Andruckleisten und Deckschalen gehalten. Das System verzeiht Abweichungen im Rohbau, passt sich wechselnden Rastern an und lässt sich mit Fenstern, Türen und Brandschutzbereichen kombinieren.
Das meistgenutzte System ist Aluprof MB-SR50N mit 50 mm Ansichtsbreite, Luftdichtheit AE 1200 und Schlagregendichtheit RE 1200. Für energieeffiziente Gebäude erreicht MB-SR50N HI+ Uf-Werte ab 0,59 W/(m²K) mit PHI-Zertifizierung A+. Bei Procural bildet die Familie PF152 die Basis, mit Ucw 0,62 W/(m²K) und Varianten für Stahl-, Aluminium- oder Holzunterkonstruktion.
- Geeignet für Sockelgeschosse, Eingangshallen, Treppenhäuser und Gebäude mit bis zu mittlerer Höhe.
- Gut bei unregelmäßigen Rastern, vielen Sonderelementen und kleinen bis mittleren Flächen.
- Montage braucht Gerüst oder Hubarbeitsbühne und mehr Arbeitszeit vor Ort.
Elementfassade: vorgefertigt und schnell montiert
Bei der Elementfassade werden komplette Einheiten aus Rahmen, Glas und Dichtungen im Werk gefertigt, meist geschosshoch und ein Raster breit. Auf der Baustelle werden sie mit dem Kran oder einem Montagegerät vom Geschoss aus eingehängt und über ineinandergreifende Profile miteinander verbunden. Die Qualität entsteht unter Werkstattbedingungen, die Fassade ist nach dem Einhängen sofort dicht.
Aluprof MB-SE65 ist eine Elementfassade mit 65 mm schmalen Profilen und einer Windlastbeständigkeit bis ±2000 Pa. Procural PF173 ist ein modulares System mit werkseitig vorbereiteten Elementen und Ucw 0,74 W/(m²K).
- Wirtschaftlich bei großen, sich wiederholenden Flächen und bei Hochhäusern.
- Kurze Montagezeit vor Ort, wenig Gerüst, parallele Arbeiten im Innenausbau möglich.
- Braucht längeren Planungsvorlauf, Lagerfläche oder Just-in-time-Anlieferung und genaue Abstimmung der Befestigungspunkte.
Structural Glazing: die glatte Glasfläche
Structural Glazing beschreibt Fassaden, bei denen das Glas ohne außenliegende Deckschalen gehalten wird, in der Regel durch Verklebung. Von außen entsteht eine durchgehende Glasfläche mit schmalen Fugen. Halbstrukturelle Systeme erreichen eine ähnliche Wirkung mit einer Pfosten-Riegel-Konstruktion.
- Aluprof MB-SR50N EFEKT: halbstrukturelle Pfosten-Riegel-Fassade mit AE 1200, RE 1200 und Windlastbeständigkeit bis 2400 Pa.
- Aluprof MB-MT50N: Structural-Glazing-System mit Uf ab 0,55 W/(m²K) und Passivhaus-Zertifikat A+.
- Procural PF152ESG: flächenbündige Glasoberfläche mit 22 oder 28 mm Fugen und Ucw 0,64 W/(m²K).
Die Auswahlkriterien im Überblick
Gebäudehöhe und Zugänglichkeit
Je höher das Gebäude, desto teurer werden Gerüste und Arbeiten von außen. Elementfassaden werden vom Geschoss aus montiert und spielen hier ihre Stärke aus. Bei niedrigen Gebäuden ist die Pfosten-Riegel-Fassade meist die einfachere Lösung.
Wiederholung und Stückzahl
Die Elementfassade lohnt sich, wenn viele gleiche Einheiten gefertigt werden können. Bei vielen Sondermaßen, Ecken und Anschlüssen bleibt die Pfosten-Riegel-Fassade flexibler.
Bauzeit und Programm
Muss die Gebäudehülle schnell dicht sein, damit der Innenausbau beginnen kann, spricht vieles für vorgefertigte Elemente. Dafür ist der Vorlauf für Planung und Fertigung länger, die Freigaben müssen früh vorliegen.
Baustelle und Logistik
Innerstädtische Baustellen mit wenig Platz, begrenzter Kranzeit oder schwieriger Zufahrt beeinflussen die Wahl. Elementfassaden brauchen Anlieferung und Hebezeug, Pfosten-Riegel-Fassaden mehr Material- und Arbeitsfläche vor der Fassade.
Toleranzen und Rohbau
Pfosten-Riegel-Systeme gleichen Rohbautoleranzen leichter aus. Elementfassaden brauchen verstellbare Konsolen und ein genaues Aufmaß der Befestigungspunkte, dafür ist die Fassade selbst sehr maßhaltig.
Wärmeschutz und Brandschutz
Für Passivhaus- und Niedrigenergieprojekte stehen MB-SR50N HI+, MB-MT50N und Procural PF152HI zur Verfügung. Wo das Brandschutzkonzept eine feuerwiderstandsfähige Fassade verlangt, werden meist Pfosten-Riegel-Systeme eingesetzt: MB-SR50N EI, Procural PF152EI und PF152ESG EI in EI30 und EI60.
Häufig ist die beste Lösung eine Kombination: Elementfassade für die Regelgeschosse, Pfosten-Riegel-Fassade für Sockel, Eingänge und Sonderbereiche, Structural Glazing für repräsentative Flächen. Wichtig ist, die Übergänge zwischen den Systemen früh zu planen.
Typische Projekte und die passende Lösung
Aus der Praxis lassen sich einige wiederkehrende Muster ableiten. Sie ersetzen keine Planung, helfen aber bei der ersten Einordnung:
- Bürogebäude mit acht oder mehr Geschossen und gleichmäßigem Raster: Elementfassade wie MB-SE65 oder PF173 für die Regelgeschosse, Pfosten-Riegel-Fassade MB-SR50N für Erdgeschoss und Eingang.
- Schule, Sporthalle oder Verwaltungsbau mit zwei bis vier Geschossen: Pfosten-Riegel-Fassade, bei hohen energetischen Anforderungen MB-SR50N HI+ oder PF152HI.
- Autohaus, Showroom oder Firmenzentrale mit repräsentativer Glasfläche: Structural Glazing mit MB-MT50N oder PF152ESG, bei geringerem Budget die halbstrukturelle MB-SR50N EFEKT.
- Gebäude mit geringem Abstand zur Grundstücksgrenze oder mit Brandabschnitten in der Fassade: Pfosten-Riegel-Fassade in EI30 oder EI60 für die betroffenen Bereiche.
- Holz- oder Stahlbau: Procural PF152A auf Stahl-, Aluminium- oder Holzunterkonstruktion.
Wirtschaftlichkeit richtig vergleichen
Ein reiner Vergleich der Materialpreise führt oft in die Irre. Die Elementfassade hat höhere Kosten in Planung und Fertigung, spart aber Gerüst, Montagezeit und Witterungsrisiko auf der Baustelle. Die Pfosten-Riegel-Fassade ist im Material günstiger, braucht aber mehr Arbeitszeit vor Ort, und die Qualität der Abdichtung hängt stärker von den Bedingungen während der Montage ab. Ein fairer Vergleich betrachtet deshalb die Gesamtkosten einschließlich Gerüst, Kran, Montage, Bauzeit und Risiken.
Von der Entscheidung zur Ausführung
Für eine belastbare Systemwahl brauchen Planer und Hersteller dieselben Grundlagen: Ansichten und Schnitte, das Fassadenraster, Windlasten und Gebäudehöhe, die energetischen Anforderungen und eventuelle Brandschutzbereiche. Auf dieser Basis lassen sich Varianten vergleichen, bevor die Werkplanung beginnt. Alle Systeme mit Kenndaten finden Sie in unserer Kategorie Fassadensysteme.
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