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Technische Artikel

Feuerwiderstandsklassen EI30–EI120 und F30/T30 erklärt

Was bedeuten E, I, W und REI nach EN 13501-2, wie verhalten sich F30, G30 und T30 dazu und welche Klasse passt zu Tür, Trennwand, Fassade oder Glasdach?

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Finestra Solution tehniskā komanda

·24. September 2026·5 Min. Lesezeit
Feuerwiderstandsklassen EI30–EI120 und F30/T30 erklärt, Blogbeitrag

In Ausschreibungen für Bürogebäude, Schulen, Kliniken und Wohnanlagen tauchen Brandschutzklassen fast immer auf: EI30 für den Flurabschluss, EI90 für die Trennwand zum Treppenraum, REI 30 für das Glasdach. Wer Brandschutzverglasungen anbietet oder plant, muss wissen, was hinter den Buchstaben und Zahlen steckt und wie sie sich zu den in Deutschland noch verbreiteten Bezeichnungen F30, G30 und T30 verhalten. Dieser Beitrag ordnet die Klassen ein und zeigt, worauf es bei der Ausschreibung ankommt.

Die Buchstaben: E, I, W und R nach EN 13501-2

Die europäische Norm EN 13501-2 klassifiziert den Feuerwiderstand von Bauteilen anhand der Prüfergebnisse. Jeder Buchstabe steht für ein Leistungskriterium, die Zahl dahinter für die Dauer in Minuten, über die das Kriterium erfüllt wird.

  • E – Raumabschluss: Das Bauteil verhindert den Durchtritt von Flammen und heißen Gasen auf die brandabgewandte Seite.
  • I – Wärmedämmung: Die Temperatur auf der brandabgewandten Seite bleibt unter den festgelegten Grenzwerten. Menschen können sich hinter dem Bauteil aufhalten, brennbare Stoffe entzünden sich nicht.
  • W – Begrenzung der Wärmestrahlung: Die durchtretende Strahlung bleibt begrenzt, die Oberfläche darf aber heißer werden als bei I.
  • R – Tragfähigkeit: Das Bauteil trägt seine Lasten über die angegebene Zeit weiter.

Die gängigen Stufen sind 15, 30, 45, 60, 90 und 120 Minuten. EI60 bedeutet also: Raumabschluss und Wärmedämmung für mindestens 60 Minuten. Eine Klasse EW30 dagegen sichert Raumabschluss und begrenzte Strahlung, aber keine volle Wärmedämmung.

F30, G30, T30: alte deutsche Bezeichnungen und EN-Klassen

In Deutschland wurden Brandschutzverglasungen und Feuerschutzabschlüsse lange nach DIN 4102 bezeichnet, und diese Begriffe finden sich bis heute in Plänen, Leistungsverzeichnissen und im Sprachgebrauch auf der Baustelle.

  • F30, F60, F90: isolierende Brandschutzverglasung. F30 entspricht in etwa EI30, F90 etwa EI90.
  • G30, G60, G90: nicht isolierende Verglasung, die nur den Raumabschluss sicherstellt. Im europäischen System entspricht das eher den Klassen E oder EW.
  • T30, T60, T90: Feuerschutzabschlüsse, also Türen und Tore. Europäisch werden Türen mit EI1 oder EI2, der Minutenangabe und dem Zusatz C für die Selbstschließung klassifiziert, zum Beispiel EI2 30-C.
  • RS: Rauchschutztüren. Europäisch wird der Rauchschutz mit Sa und S200 ausgedrückt.
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Die Gegenüberstellung ist eine Orientierung, keine Umrechnung. Welche Klasse ein Bauteil braucht und welcher Verwendbarkeitsnachweis gilt, ergibt sich aus dem Bauordnungsrecht und dem Brandschutzkonzept des Gebäudes. Prüfen Sie die nationale Anforderung für Ihr Projekt.

Rauchschutz Sa und S200 und die Selbstschließung C

Bei Türen und Trennwänden kommt oft ein Rauchschutzkriterium hinzu. Sa beschreibt die Rauchdichtheit bei Umgebungstemperatur, S200 die Dichtheit bei heißem Rauch von 200 °C. Beides zusammen, Sa/S200, ist bei Türen in Flucht- und Rettungswegen häufig gefordert. Die Procural-Serie PE78EI erreicht in EI30, EI60 und EI90 die Rauchschutzklasse Sa/S200. Aluprof MB-60E EI erfüllt S200/Sa3 und die Selbstschließungsklasse C5, die eine hohe Dauerfunktion des Türschließers nachweist.

Welche Klasse für welches Bauteil?

Türen und Trennwände

Verglaste Flurwände, Treppenraumabschlüsse und Türen zu Technikräumen sind die häufigsten Einsatzbereiche. Aluprof MB-78EI bildet Trennwände mit ein- oder zweiflügeligen Türen von EI15 bis EI90 und einer Schalldämmung bis 41 dB. Procural PE78EI deckt EI30, EI60 und EI90 ab, die PE78EI Design Line EI120 geht mit 89 mm Rahmen und Glasdicken bis 73 mm bis EI120. Für EI120-Wände steht auch Aluprof MB-118EI mit 118 mm tiefem Fünfkammerprofil zur Verfügung. Großflächige Glaswände mit nur 4 mm Fugen lassen sich mit PE78EI Seamless Glass Partition in EI30 und EI60 umsetzen.

Fenster, auch zum Öffnen

Brandschutzfenster müssen nicht fest verglast sein. Das Procural PE78EI EI30 TT ist ein Dreh-Kipp-Fenster in EI30 bis 1380 × 2760 mm mit Rw 45 dB. Aluprof MB-86N EI verbindet EI30-Fenster und EI60-Türen mit einer Wärmedämmung ab Uw 0,86 W/(m²K) und eignet sich damit auch für die Außenwand.

Fassaden

Wo der Brandüberschlag zwischen Geschossen oder zum Nachbargebäude begrenzt werden muss, kommen Brandschutzfassaden zum Einsatz. MB-SR50N EI sowie Procural PF152EI und PF152ESG EI sind als Pfosten-Riegel-Fassade in EI30 und EI60 erhältlich, PF152EI mit Ucw ab 0,78 W/(m²K).

Glasdächer

Bei Glasdächern trägt die Konstruktion Lasten, deshalb wird hier mit R klassifiziert. MB-SR50N EI und Procural PF152EI erreichen REI 30 / RE 45: Tragfähigkeit, Raumabschluss und Wärmedämmung für 30 Minuten, Tragfähigkeit und Raumabschluss für 45 Minuten.

Faustregel: EI für nicht tragende Wände, Türen, Fenster und Fassaden, REI für tragende Bauteile wie Glasdächer, und bei Türen zusätzlich Sa/S200 und C, wenn Rauchschutz und Selbstschließung verlangt sind.

Worauf es bei der Ausschreibung ankommt

Ein Brandschutzelement ist nur so gut wie seine Klassifizierung im eingebauten Zustand. Das Prüfergebnis gilt für eine bestimmte Kombination aus Profil, Glas, Dichtung, Beschlag und Anschluss an den Baukörper. Deshalb sollten Ausschreibungen möglichst genau sein:

  1. 1Feuerwiderstandsklasse mit allen Kriterien angeben, also EI30 statt nur „30 Minuten“, bei Türen inklusive Sa/S200 und C.
  2. 2Einbausituation beschreiben: Wandart, Wanddicke, Decke oder Fassade, Anschluss an Massivbau, Trockenbau oder Stahl.
  3. 3Größte Elementmaße und Flügelgrößen nennen, weil die Klassifizierung nur bis zu geprüften Abmessungen gilt.
  4. 4Zusatzanforderungen festhalten: Schalldämmung, Wärmedämmung in der Außenwand, Einbruchhemmung, Zutrittskontrolle, Feststellanlagen.
  5. 5Bei Türen in Rettungswegen die Anforderungen an Panikbeschläge und Fluchttürverriegelung klären.

Häufige Missverständnisse in der Praxis

  • „EI30 ist dasselbe wie E30“: Nein. E30 sichert nur den Raumabschluss, die brandabgewandte Seite kann sehr heiß werden. In Fluren, in denen Menschen am Bauteil vorbeigehen, ist das ein wesentlicher Unterschied.
  • „Die Tür ist EI30, also ist die ganze Wand EI30“: Die Klasse gilt für das geprüfte Element. Tür, Seitenteil, Oberlicht und Anschluss an die Wand müssen zusammen passen.
  • „Ein Brandschutzfenster kann man nicht öffnen“: Öffenbare Brandschutzfenster gibt es, sie müssen im Brandfall aber geschlossen sein. Das wird über Beschlag und Nutzung geregelt.
  • „Brandschutzglas allein reicht“: Das Glas ist nur ein Teil des Systems. Profil, Dichtungen, Glashalteleisten und Befestigung sind gemeinsam geprüft und dürfen nicht beliebig kombiniert werden.
  • „Höhere Klasse ist immer besser“: Eine EI90-Konstruktion ist schwerer, tiefer und teurer. Sinnvoll ist die Klasse, die das Brandschutzkonzept fordert, mit ausreichend Spielraum bei Maßen und Einbau.

Ergänzend zu den Brandschutzverglasungen spielen Rauchabzugsfenster eine Rolle. Die Aluprof-Fenster für natürliche Entrauchung sind bis 2500 × 1600 mm in horizontaler Ausführung lieferbar und werden im Brandschutzkonzept meist gemeinsam mit den Abschlüssen geplant. Eine Übersicht aller Systeme finden Sie in unserer Kategorie Brandschutzsysteme.

Sie haben eine Ausschreibung mit Brandschutzanforderungen oder möchten wissen, welches System zu Ihrem Brandschutzkonzept passt? Senden Sie uns Grundrisse, Ansichten oder das Leistungsverzeichnis über unsere Kontaktseite. Die Projektberatung ist kostenlos, und Sie erhalten innerhalb von 1–2 Werktagen eine Rückmeldung.

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